Ein langsam, aber stetig wachsender Markt
Ästhetische Medizin war lange Zeit ein Thema, das vor allem mit weiblichen Patientinnen assoziiert wurde. Das ändert sich: Laut der aktuellen DGÄPC-Statistik 2025 (Befragungszeitraum Oktober 2024 bis Oktober 2025, 4.548 Teilnehmende) liegt der Männeranteil unter den Patientinnen und Patienten plastisch-ästhetischer Praxen in Deutschland bei 11,4 Prozent – der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Zum Vergleich: 83,6 Prozent der Befragten waren weiblich, der Rest machte keine Angabe oder identifizierte sich als divers. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) beschreibt die Entwicklung selbst als “langsam wachsenden Markt” – kein Boom, aber ein klarer, mehrjähriger Trend nach oben.
Welche Behandlungen Männer am häufigsten wählen
Bei operativen Eingriffen zeigt die DGÄPC-Statistik 2025 ein relativ konstantes Bild: Am häufigsten lassen sich Männer in Deutschland die Oberlider straffen, gefolgt von der Behandlung einer Gynäkomastie (umgangssprachlich “Männerbrust”) und Fettabsaugungen. Bauchdeckenstraffungen und Gynäkomastie-Behandlungen verzeichneten dabei jeweils rund zwei Prozentpunkte Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Besonders auffällig: Bei Männern unter 30 Jahren ist die Gynäkomastie-Behandlung inzwischen der häufigste Eingriff überhaupt – ihr Anteil in dieser Altersgruppe stieg von 1,0 Prozent (2023) über 2,6 Prozent (2024) auf 5,5 Prozent (2025).
Auch international zeichnet der ISAPS Global Survey 2024 (International Society of Aesthetic Plastic Surgery) ein ähnliches Bild für männliche Patienten: Die weltweit häufigsten operativen Eingriffe bei Männern waren 2024 Lidstraffungen, Gynäkomastie-Behandlungen, Narbenkorrekturen, Fettabsaugungen und Nasenkorrekturen. Bei nicht-operativen Behandlungen führten laut demselben Survey mit Abstand Botulinumtoxin-Injektionen vor Hyaluronsäure-Unterspritzungen und Haarentfernung.
Neben diesen Kernbereichen berichten spezialisierte Kliniken seit einigen Jahren auch von wachsendem Interesse an Haartransplantationen sowie – als vergleichsweise junges Nischenphänomen – an Bart-Transplantationen für einen volleren Bartwuchs. Belastbare, einheitliche Zahlen für den deutschen Markt liegen dazu bislang nicht vor; internationale Fachgesellschaften wie die ISHRS berichten aber übereinstimmend von einem spürbaren Nachfrageanstieg über das vergangene Jahrzehnt.
“Brotox”: Falten weg, aber bitte unauffällig
Bei nicht-invasiven Behandlungen hat sich für die Botulinumtoxin-Behandlung bei Männern der informelle Begriff “Brotox” etabliert. Ein häufig genannter Unterschied zur Anwendung bei Frauen: Die Muskulatur im Gesicht ist bei Männern im Schnitt kräftiger ausgeprägt, weshalb in der Praxis teils höhere Dosierungen notwendig sind, um ein sichtbares Ergebnis zu erzielen – wie hoch die Dosis im Einzelfall ausfällt, hängt jedoch immer von der individuellen Anatomie ab und ist eine ärztliche Entscheidung. Auffällig ist zudem ein Unterschied im Ästhetik-Ideal: Während bei Frauen ein möglichst glattes, faltenfreies Ergebnis oft ausdrücklich gewünscht wird, legen viele männliche Patienten Wert darauf, dass die Behandlung nicht auffällt. Ziel ist meist ein frischeres, weniger erschöpft wirkendes Gesicht bei erhaltener Mimikfähigkeit – etwa im Bereich der Zornesfalte zwischen den Augenbrauen, die bei Männern häufig als “unnötig streng” oder “genervt” wahrgenommen wird.
Was treibt den Trend?
Für die wachsende Offenheit von Männern gegenüber ästhetischen Behandlungen werden in Fachartikeln und Branchenberichten mehrere Faktoren genannt, die sich gegenseitig verstärken dürften:
- Weniger Stigma: Ästhetische Eingriffe gelten gesellschaftlich zunehmend als normaler Teil der Körperpflege statt als reines “Frauenthema” – ein Wandel, den unter anderem ein Bericht der American Society of Plastic Surgeons (ASPS) für den US-Markt beschreibt.
- Social Media: Umfragen zum Einfluss sozialer Medien auf Schönheitsideale zeigen, dass ein relevanter Teil der Befragten – branchenübergreifend, nicht nur Männer – aufgrund von Inhalten auf Plattformen wie Instagram oder TikTok über eine ästhetische Behandlung nachdenkt.
- Beruflicher Druck: In einem zunehmend kompetitiven Arbeitsmarkt wird ein gepflegtes, “frisches” Erscheinungsbild von manchen Männern gezielt als Mittel eingesetzt, um im Berufsleben selbstbewusster aufzutreten – ein Motiv, das in internationalen Branchenberichten wiederholt auftaucht, sich aber nicht pauschal in belastbare Zahlen für Deutschland übersetzen lässt.
Wichtig bleibt bei all diesen Erklärungsansätzen: Es handelt sich um plausible, in der Fachpresse diskutierte Trends, nicht um einen einzelnen, eindeutig belegten Kausalzusammenhang. Die harten Zahlen – etwa die 11,4 Prozent aus der DGÄPC-Statistik – sind der verlässlichste Beleg dafür, dass sich tatsächlich etwas bewegt.
Fazit: Wachstum ja, Massenphänomen nein
Männer bleiben mit rund einem Neuntel aller Patientinnen und Patienten in der ästhetischen Medizin weiterhin klar in der Minderheit – der Trend zeigt aber seit Jahren in eine Richtung. Besonders bei jüngeren Männern und bei bestimmten Eingriffen wie der Gynäkomastie-Behandlung ist die Zunahme deutlich messbar. Wer sich für eine Behandlung interessiert, sollte sich unabhängig vom Geschlecht ausführlich beraten lassen und dabei realistische Erwartungen mit einer qualifizierten Fachkraft abstimmen – zum Beispiel über die Expertensuche von schöner360.
Die Inhalte dieser Seite dienen ausschliesslich der allgemeinen Information ueber aesthetische Behandlungsmethoden und ersetzen keine individuelle aerztliche oder heilkundliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob und welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, kann nur im persoenlichen Gespraech mit einem Arzt, Heilpraktiker oder einer entsprechend qualifizierten Fachkraft geklaert werden.