Polynukleotide: Was steckt hinter dem Beauty-Trend?
Polynukleotide, oft auch als PN oder PDRN (Polydesoxyribonukleotid) bezeichnet, sind DNA-Fragmente, die meist aus der Gonade des Lachses gewonnen und für die medizinische Anwendung aufgereinigt werden. Anders als klassische Hyaluronsäure-Filler zielen sie nicht auf eine sichtbare Formveränderung ab, sondern auf die biologische Regeneration der Haut selbst. Sie werden vor allem unter den Augen, an Hals und Dekolleté sowie großflächig im Gesicht als sogenannter Skin Booster eingesetzt, meist in mehreren Sitzungen im Abstand von einigen Wochen.
Wie wirken Polynukleotide in der Haut?
Laut einer 2026 im Journal of Cutaneous and Aesthetic Surgery veröffentlichten Übersichtsarbeit binden Polynukleotide an Adenosin-A2-Rezeptoren auf Zellmembranen und aktivieren zusätzlich den sogenannten Salvage-Pathway der DNA-Synthese in den Zellen. Dadurch wird die Produktion von Kollagen und Elastin durch Fibroblasten angeregt, die Bildung neuer Blutgefäße gefördert und Entzündungsprozesse in der Haut gedämpft. Laut derselben Arbeit wird zudem eine hemmende Wirkung auf die Melaninbildung diskutiert, was zu einem gleichmäßigeren Hautbild beitragen könnte.
Was zeigen klinische Studien?
Eine im Journal of Dermatological Treatment veröffentlichte randomisierte, doppelblinde Split-Face-Studie verglich bei 27 Teilnehmenden eine Polynukleotid-Behandlung mit einem nicht quervernetzten Hyaluronsäure-Präparat im periorbitalen Bereich, jeweils auf einer Gesichtshälfte. Bei der unmittelbaren ästhetischen Verbesserung unterschieden sich beide Methoden kaum, doch die Polynukleotid-Seite zeigte im Zeitverlauf tendenziell stärkere Verbesserungen bei Hautelastizität und Feuchtigkeit. Eine 2025 erschienene systematische Übersichtsarbeit im Journal of Cosmetic Dermatology, die neun Studien mit insgesamt rund 220 Patientinnen und Patienten auswertete, kommt zu einem vorsichtigeren Fazit: Die Ergebnisse seien vielversprechend, die Studienqualität überwiegend aber nur niedrig bis moderat, weshalb es an einheitlichen Standards für die optimale Anwendung fehle. Die Autoren fordern ausdrücklich weitere, methodisch hochwertigere Studien.
Sicherheit und Grenzen der Behandlung
Häufigste Nebenwirkungen sind Rötungen und Schwellungen in den ersten ein bis drei Tagen nach der Injektion. Da die meisten Präparate aus Fisch-DNA gewonnen werden, gilt eine bekannte Fischallergie als Kontraindikation, ebenso Schwangerschaft, Stillzeit und ein Alter unter 18 Jahren. Polynukleotide sind kein Ersatz für Hyaluronsäure-Filler bei tiefen Falten oder Volumenverlust, sondern eine ergänzende Methode zur Verbesserung der Hautqualität – sie werden in der Praxis auch häufig mit klassischen Fillern kombiniert.
Fazit: Vielversprechend, aber noch kein Standardverfahren
Polynukleotide zählen aktuell zu den am stärksten diskutierten Trends in der ästhetischen Medizin, weil sie einen anderen Ansatz verfolgen als klassische Filler: Statt Volumen aufzubauen, soll die Haut selbst zur Regeneration angeregt werden. Die bisherige Studienlage stimmt vorsichtig optimistisch, ersetzt aber noch keine breite, langfristige Evidenzbasis. Wer sich für die Methode interessiert, sollte gezielt nach der fachlichen Qualifikation der behandelnden Person fragen und realistische Erwartungen an das Ergebnis mitbringen.
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